LAUTE(R)
TIERE

Druckgrafiken von Phillip Janta

5.2. – 8.2.2026

GfG / Altes Zollamt, Bremen
KOOPERATION
JANTA ISLAND / GfG / BLAUKONTOR / LOGBUCH
Phillip Janta

Der Künstler

Phillip Janta lebt und arbeitet auf seiner Insel, die er selber „Janta Island“ nennt. Dort entstehen meist schwarzweiße Illustrationen und Grafiken, gekratzt mit Messer und Skalpell.

Hier zeigt Phillip einen Teil seiner Tierserie, an der er seit vielen Jahren arbeitet und die über die Ufer seiner Insel hinaus bekannt ist.

Besuch auf „Janta Island“ ist stets willkommen! Trifft man Phillip nicht in seiner Werkstatt an, so findet man ihn wahrscheinlich am Strand beim Fischen.

Instagram von Phillip Janta

Wie Tierlaute um die Welt reisen – ein Interview mit Phillip Janta

Hallo Phillip, du arbeitest seit einiger Zeit an einer Serie mit dem Titel »Laute(r) Tiere«, und sie wird immer größer. Wie kam es dazu und wo wird das enden?

Alles begann, wie so oft, mit einem Zufall. Für mein Diplom »Welcome to Janta-Island«, eine Serie aus gekratzten Bildern meiner Insel, übte ich diese für mich neue Kratztechnik. Am Küchentisch entstand das erste Motiv: ein Schaf mit dem einfachen Spruch: »Määh macht das Schaf«. Damit war die Serie geboren, und weil die Motive gut ankamen, wurde aus Spaß schnell Ernst. Das war 2006. Zwanzig Jahre später suche ich noch immer nach neuen Tieren oder besser gesagt nach Lauten, die sie von sich geben.

Deine Serie wurde bereits in Leipzig, Peking, Paris und anderen namhaften Metropolen ausgestellt. Welche Verbindungen hast du zu diesen Städten – und was verschafft uns nun in Bremen die Ehre?

Mein Ziel ist es, jedes Jahr vier neue Motive zu veröffentlichen. Seit ein paar Jahren nutze ich die Neuzugänge als Anlass für eine Ausstellung mit allen Motiven. Zuerst im »Druck Dealer« in Hamburg, später auch im »Suplaife Kiosk« in Berlin, beide gehören zu meinen »Janta-Island-Dealern«. Die erste große Show gab es 2022 in Leipzig. 36 Tiere hingen damals an einer sehr großen Galeriewand. 2024 präsentierte ich in einer Galerie in Peking, inklusive vier neuer Motive. Diese Reise war in vielerlei Hinsicht beeindruckend, vor allem zeigte sie mir, dass meine Illustrationen überall begeistern und bereits Fans gefunden hatten. Nun gibt es wieder neue Motive, und ich freue mich, dass der Logbuchladen und ihr mir die Gelegenheit bietet.

Diese Arbeiten leben stark von Lautmalerei. Wie funktioniert das international?

In Paris und Peking stellte sich ein ähnliches Phänomen ein: Die Sprachbarriere wird hier, auf den Text bezogen sichtbar. Jedoch ist der Laut, das Aussprechen des Geräusches, sinnstiftend und naheliegend. Sobald das Prinzip dieser »lauten« Bilder klar ist, versucht jeder es nachzusprechen. In Peking musste ich für ein Fernsehinterview ALLE Geräusche vorsprechen. Interessanterweise gibt es in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Tierlaute. So »barken« Hunde im Englischen und französische Hähne machen »cocorico«. Das ist immer ein Aufhänger für den Beginn eines Gespräches. Vielleicht auch hier in Bremen.

Neben den Arbeiten zu »Laute(r) Tiere« bist du als Illustrator für verschiedene Bands und Marken tätig. Darf man eine musikalische Nähe zu den Bands vermuten?

Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich auch für Bands und Musik-Labels. Das macht großen Spaß, obwohl es nicht immer lukrativ ist. Oft kenne ich die Musiker:innen und Bands oder komme über Freund:innen in Kontakt. Ich habe einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack, und genauso vielfältig sind auch die Bands, für die ich arbeite. Sei es für Metallica, The Notwist oder William Basinski. Mich reizt daran, einen Zugang finden zu müssen und im besten Fall direkt mit der Band an der Ideen-Entwicklung zusammenzuarbeiten. Für alle Beteiligten ist das Ergebnis am Ende eine Überraschung. Das ist gut!

Für ein Konzertplakat der »The Notwist Pocketband« duellieren sich bei dir zwei hochseilbalancierende Mäuse mit Federn. Für »The Ocean« läuft ein Saurier durch einen Meteoritenschauer in Popfarben. Wie kommst du zu diesen und anderen Motivideen? Und was sagen die Bands dazu?

Das ist schwer zu beantworten. Konstant ist lediglich der Umstand, dass es am Ende immer etwas anders ist als auf der ersten Skizze. Es ist ein Prozess, der viele Abende benötigt. Beim Musikhören, Stöbern in Büchern oder im Internet manifestiert sich langsam eine Idee, die genauso schnell über den Haufen geworfen werden kann. Oft entstehen Details beim finalen Machen des Bildes. Der Saurier bei »The Ocean« ist eine Anspielung auf das große Finale der Band, deren letzte Tour es in dieser Besetzung war. Ich konnte meiner Liebe zur Paleo-Art nachgehen und einen Fantasiesaurier vor brennendem Horizont platzieren. Die Umsetzung als Siebdruck und damit beschränkte Anzahl der Druckfarben haben bei der Gestaltung natürlich einen Einfluss.

Der Siebdruck ist deine bevorzugte Technik – mal in meisterhaft filigraner Ausführung, vergleichbar einer Radierung, mal in nicht weniger meisterhafter Flächigkeit, die an frühe 1900er Werbeplakate erinnert. Wie hast du dir das angeeignet?

Ich siebdrucke seit meiner Studienzeit an der HGB in Leipzig. Zum Ende meines Studiums war ich dort drucktechnischer Assistent und brachte jüngeren Studierenden das Siebdrucken bei. Außerdem betrieben wir als kleine Gruppe einen eigenen Laden mit Siebdruckwerkstatt namens »FIFI«. Später nach dem Studium richtete ich dann eine eigene Siebdruckwerkstatt ein, in der nach wie vor alles entsteht, was auch hier in dieser Ausstellung zu sehen ist. Damit es für mich spannend bleibt, probiere ich viel aus. Neben dem Druck der gekratzten Bilder, oft weiß auf schwarz, mag ich es, kräftige Farben flächig einzusetzen. Das macht ja den Reiz des Siebdrucks aus – diese Sattheit. Oft arbeite ich analog und zeichne oder pinsele meine Vorlagen von Hand, die dann direkt auf die Siebe belichtet werden. Diese originalgrafische Arbeit zelebriere ich immer ausgiebig, denn sie kommt viel zu selten vor.

Gibt’s Herausforderungen in Motiv oder Technik, auf die du dich schon freust? Was steht als nächstes an bei dir?

Es gibt keine To-do-Liste. Ich entscheide im Arbeitsprozess, wie ich den Druck am Ende ausführen werde. Das ist das Schöne daran: Der Plan entsteht beim Machen. Gerade konzentriere ich mich auf Illustrationen, die ich diesmal nicht selber drucken werde. Es wird dieses Jahr nämlich ein paar kleine Publikationen geben, zu denen ich noch nicht viel verraten kann.

Du lebst in Leipzig, auf einer Insel – Janta Island –, so heißt es. Was bedeutet dieser Ort für dich?

Er ist mein imaginärer Rückzugsort. Dort gehe ich hin, wenn ich Urlaub von meiner Arbeit brauche. Das bedeutet, ich kann mich ganz dieser Welt und ihrem Abbilden widmen. Es ist, wie Grußkarten von einem fernen Ort zu verschicken. Ein Teil dieser Ausstellung zeigt Bilder davon. Die Inselbilder, die Vögel zum Beispiel. Das ist meins, da bin ich der Auftraggeber.

Wo findet man dich, wenn nicht auf Janta Island?

Als Illustrator oft allein an einem Schreibtisch. Ab und zu stelle ich aus, wie hier, und gelegentlich verkaufe ich meine Drucke auf Messen, Designmärkten oder Illustration-Festivals. Das mache ich immer sehr gern, da ich dort direktes Feedback bekomme und auch die Leute kennenlerne, die meine Drucke in ihre Zimmer hängen. Seit vielen Jahren veranstalte ich mit Kolleg:innen Festivals, die sich Illustration, Grafik und seit neuestem auch Gig-Postern widmen. Das ist ein großes Glück für mich und ein toller Ausgleich zur gebückten Haltung an meinem Schreibtisch oder der Arbeit am Drucktisch.

Ein Wunsch für die jetzt anstehende Ausstellung in Bremen?

In Leipzig stehe ich seit Jahren auf einem kleinen alternativen Weihnachtsmarkt. In letzter Zeit kam es vor, dass junge Eltern mit ihren Kindern zu meinem Verkaufsstand kamen und ihren Kleinen sagten: »Schaut mal, das Bild da haben mir meine Eltern geschenkt, als ich so alt war wie ihr.« Das wäre vielleicht etwas für die Zukunft ... auch hier in Bremen.

Vielen Dank für das Gespräch, Phillip!